Rückblick 2016

Erfurt, Jena, Darmstadt, Göttingen, Kiel, Potsdam, Tartu (Estland) und Tiflis (Georgien) –
Stationen der IChO 2016 

 

Am Städtereigen ist abzulesen, dass Thüringen in diesem Jahr richtig erfolgreich war. Insbesondere drei Teilnehmer waren absolut gern für die IChO unterwegs und bei mindestens fünf dieser Stationen mit dabei.

Die 48. IChO startete im Sommer 2015 mit der Hausaufgabenrunde. Es ging um Gärtnerisches, sprich Bodenchemie, Düngung und Kohlenhydrate als Ergebnis erfolgreichen Pflanzenwachstums. Thüringenweit haben 53 „Schreibtischgärtner“ ihre Arbeiten eingereicht und sich im Onlineportal angemeldet.

Im Herbst folgte eine Zeit mit etwas Herzklopfen, denn erstmals war von der Wettbewerbsleitung eine Klausur für die 2. Runde vorgesehen. Es wurden zwei Schwerpunktthemen verkündet: Alkalimetalle und Additionsreaktionen. Damit ließen sich zwei Vorbereitungsseminare gestalten, einmal in Jena und einmal in Erfurt. Die Viertrundenteilnehmer des Vorjahres, nun gerade Studienanfänger (der Chemie, ist klar!), Henry Lindner und Moritz Fink haben sich der Alkalimetalle gewidmet und Herr Prof. Dr. Rainer Beckert von der FSU Jena begeisterte uns für die Organische Chemie. An dieser Stelle sei den Genannten noch einmal ein herzliches Dankeschön für alles Engagement gesagt.

Am 2.12.2015 kam dann der große Tag, an dem die 3-stündige Klausur zentral für alle Thüringer am Gymnasium „Albert Schweitzer“ in Erfurt geschrieben wurde. „Hut ab“ vor den 29 Klausurschreibenden vor Ort und einer Klausurschreibenden im fernen Frankreich (Austauschjahr). Alle haben ihr Bestes gegeben, die vollen 180 Minuten durchgehalten und keine Minute früher abgegeben.

Über den Jahreswechsel war erwartunsvolles Warten angesagt, ob man es denn unter die besten 10 der Klausur geschafft hat. Anfang Januar wurden diese 10 Klausurbesten für das Landesseminar Hessen-Thüringen nominiert. Sie erlebten vom 25.1. bis 28.1.2016 vier Tage chemiereiche Zeit von früh bis spät (heißt: ohne Ende…) in Darmstadt. Höhepunkte waren der Werksbesuch bei MERCK, das Aufgabengrübeln im Rathaussaal, die Mathildenhöhe-Wanderung, die gemeinsame Zeit in der Jugendherberge am Woog, die Labortage im MERCK-Juniorlabor an der TU Darmstadt. Gerade letzteres wird so manch einem gleich wieder präsent sein, die eigenen Erfahrungen im Labor, die müden Beine am Ende eines doch langen Labortages, wo sich auch noch die Hälfte des Produkts beim Reinwaschen auflöste, wo man im Team experimentierte und zusammen Kniffliges und Notwendiges der Laborarbeit teilte. Großartig, welche Möglichkeiten uns von der Laborleiterin Frau Dr. Andrea-Katharina Schmidt eingeräumt wurden und wie perfekt alle Abläufe von ihr und ihrem Team vorbereitet waren. Großes Dankeschön! Zum Landesseminar Hessen-Thüringen gibt es auch Informationen auf der Seite zur IChO-Hessen, empfohlen zum Weiterlesen.

Neun der zehn Thüringer Teilnehmer, die mit in Darmstadt waren, bekamen Ende Februar von der Wettbewerbsleitung in Kiel die Qualifikation zur 3. Runde ausgesprochen. Sie packten ihre Koffer für eine Woche Göttingen. „Man könne sich danach ein Semester Chemiestudium sparen“, so wurde mir von dem straffen Programm mit Klausurabschluss berichtet. Johannes Günzl, unser jüngster IChO-Thüringer der 3. Runde, schaffte es hiernach zum Auswahlverfahren für die Europäische Scienceolympiade EUSO im estländischen Tartu. Er absolvierte dafür ein Vorbereitungsseminar in Potsdam, bevor er im Mai in den Flieger nach Tallin stieg.

Von neun Thüringer Teilnehmern bei der 3. Runde waren drei auch bei der 4. Runde noch mit dabei. Johannes Günzl, Paul Rathke und Christian Schärf fanden sich damit im elitären Kreis der deutschlandweit besten 16 Chemikertalente wieder, trainierten weiter und testeten sich im Juni an der Uni Kiel. Grund genug, um ihnen etwas Lektüre zukommen zu lassen. Mit den „Organischen Reaktionsmechanismen“ liegt man bei solchen angehenden Experten immer richtig. Ein Dankeschön deshalb dem Georg Thieme Verlag Stuttgart, der diese Anerkennung ermöglichte.

Und nun kommt noch das Happy End. Paul Rathke wurde in die deutsche IChO-Mannschaft 2016 für das georgische Tiflis aufgenommen. Unsere Thüringer Bildungsministerin Frau Dr. Birgit Klaubert empfing ihn daraufhin im Foyer des Landtags und Paul musste erklären, wie so etwas gelingt. Zwar war ich bei dem Empfang mit dabei, aber vielleicht zu aufgeregt, um sein Erfolgsrezept richtig mitzubekommen. Daher meine Hoffnung, dass Paul nach seinem internationalen IChO-Auftritt einmal Zeit zum Schreiben findet und das Geheimnis preisgibt, damit es auch in Zukunft so weitergeht…