Rückblick 2017

Erfurt, Jena, Darmstadt, Göttingen, Kiel, Potsdam, Wien, Kopenhagen und Nakhon Pathom (THAILAND), die IChO 2017 für Thüringen im Rückblick

 

Die Station in Fernost verlangt gleich ein Wort zu den Thüringer „Leuchttürmen“. Mit Franz Seckel und Johannes Günzl hat Thüringen erstmals die halbe IChO-Mannschaft gestellt. Damit gelungen ist nicht nur, dass zwei Jahre in Folge Thüringer mit in der Mannschaft waren, nein gleich im Doppelpack. Kein Superlativ wird diesem Erfolg halbwegs gerecht, auch nach längerem Überlegen fällt mir das Passende dafür nicht ein, bin ich einfach nur überwältigt davon. Ich habe die beiden vor Augen und weiß, dass sie jeglichen Rahmen sprengen. Das zeigt bereits ihr IChO-Werdegang: Franz hat bis zum Start der Wettbewerbsrunde an keiner Chemieolympiade teilgenommen und Johannes war bereits als Zehntklässler in der dritten Runde und als Elftklässler Viertrundenteilnehmer. Wer also noch über den Einstieg zur IChO hadert, dem sei gesagt, dass es so oder noch ganz anders ginge. Für den Erfolg entscheidend ist das offensichtlich nicht.

Potsdam, Wien und Kopenhagen wurden von Jakob Schramm aufgesucht. Als erfolgreicher IChO-Drittrundenteilnehmer qualifizierte er sich zum Auswahlverfahren für die Europäische Wissenschaftsolympiade EUSO und nahm alle Hürden, um sich letzendlich in Ostseeluft zur Goldmedaille zu titrieren.

Zweimal Bronze aus Thailand und einmal Gold aus Kopenhagen! Doch neben den medaillenschweren Teilnehmern sollen alle anderen, die im September 2016 in die Wettbewerbsrunde starteten, keinesfalls hintenan stehen. Thüringenweit haben sechzig Schüler (Schülerinnen immer mit eingeschlossen) über die Aufgaben zum Meer (Kalk, pH, Luciferin) gegrübelt und Lösungen bei ihrem Chemielehrer eingereicht, sich im Onlineportal angemeldet und damit als „ordentliche“ Teilnehmer registriert. Vierzig von ihnen überschritten die 50%-Hürde und erhielten daraufhin per Mail die Einladung zu den beiden Vorbereitungsseminaren und zur Klausur für die zweite Runde.

Es fühlt sich schon ein wenig wie Tradition an, dass ähnlich wie in den beiden Jahren zuvor die Vorbereitungsseminare in Erfurt und Jena stattfanden. Sie widmeten sich den vom IPN Kiel ausgerufenen Schwerpunktthemen: Aromatenchemie und Halogene. Gerade letzteres erwies sich als schier endloses Unterfangen, eigentlich ein Querbeet durch die Chemie. Nur gut, dass Christian Schärf und Johannes Günzl (als Teilnehmer in Dozentenrolle) sich des Themas annahmen und dadurch ein Freitagnachmittag im November seine Langweiligkeit verlor. Die Organik brachte uns wieder Prof. Rainer Beckert von der FSU Jena näher. Der Seminarraum war fast etwas klein für alle IChO-Interessierten, entsprechend nah kamen wir der Materie.

Am 2.12.2016 stand die 3-stündige Klausur zur 2. Runde an, zentral für alle Thüringer am Albert-Schweitzer-Gymnasium in Erfurt. Es herrschte große Aufregung bei den 32 Klausurschreibenden, ob denn die Vorbereitung gut war, ob es für einen mit der IChO weitergeht: Landesseminar Hessen-Thüringen oder gar in die dritte Runde? Die Aufgaben waren keineswegs leicht, schließlich handelt es sich um eine Olympiade und Grübeln und Probieren sind angesagt, aber die Schwerpunktthemen waren gut vertreten und das war durchaus fair.

Am 15. Dezember ging die Mail mit den Top10 für das Landesseminar heraus, heißt: 13 Tage brauchte ich für die Durchsicht der Klausuren. Während mir die Zeit nicht lang vorkam, habe ich den einen oder anderen damit doch „zappeln“ lassen. Wohl gerade die guten Leute malten sich immer mehr Fehler aus und sahen ihr Scheitern vor Augen. Auch das gehört zur IChO, ein Auf und Ab, ein Bangen und Hoffen und natürlich ein Quentchen Glück.

Vom 30.1. bis 2.2.2017 fand das Landesseminar Hessen-Thüringen im winterlichen Darmstadt statt. Beim Frühstück in der Jugendherberge schweiften unsere Blicke immer zum Sprungturm am Woog, aber ein Bad wollte bislang keiner wagen, Winter eben! Überhaupt waren viele der Teilnehmer und sogar wir beiden Landesbeauftragten echt verschnupft. So richtig in Schwung kamen wir erst mit den Fachvorträgen zur Reaktionskinetik und Thermodynamik. Und die letzten Zipperlein waren vergessen, als wir zu kollidierenden und beschleunigten Teilchen im Massenspektrometer wurden. Dazu gab es jede Menge Olympiadeaufgaben, mal gelöst und mal nicht. Wir hätten kein Ende damit gefunden, wären nicht die Worte von Frau Dr. Jansen so deutlich gewesen. Nach der interessanten Werksführung mit Einblicken in die Hochskalierung von Synthesen und in die OLED-Forschung sagte sie:“Heute Abend lassen Sie die Eindrücke von MERCK wirken, damit die Chemiker von morgen mal ihren Weg überdenken können.“ Recht hatte sie damit, es braucht auch Zeit, um miteinander ins Gespräch zu kommen, sich auszutauschen und zwar nicht nur über pH-Wertberechnungen und Reaktionsmechanismen. Die noch ausstehenden Tage vergingen im MERCK-TU-Juniorlabor wie im Flug. Wir synthetisierten unter Anleitung von Frau Dr. Andrea-Katharina Schmidt ein Spiropyran, das faszinierende Solvatochromie zeigt. Die Begeisterung stand uns ins Gesicht geschrieben, wenn wir vor der Farborgel standen. Verständlich, dass keine Mühe gescheut wurde, eine Gruppe sogar noch mal von ganz vorn anfing, weil aus Versehen das Produkt im Abfalleimer landete. Hier outeten wir uns als echte Experten!

Johannes Günzl, Franz Seckel, Mats Weinhardt, Kasimir Merlin Philipp und Jakob Schramm vertraten Thüringen dann beim Drittrundenseminar in Göttingen. Von 10 die Hälfte macht 5, also die Hälfte der Thüringer „Mannschaft“ vom Landesseminar schaffte es bis Göttingen und die drei Medaillenträger gar noch – ein Stückchen – weiter. Wieder nach einem Superlativ suchend, komme ich endlich darauf: Ihr selbst gebt doch die Superlative ab und ich brauche mich nur zu bedanken dafür. DANKE euch IChO-Thüringern für das großartige Wettbewerbsjahr!